Zugegeben, ein Interview im Sommerurlaub, zwischen Strandbesuch und schick Essengehen wird man inhaltlich nicht als Referenz nehmen können, auch wenn die zweistündige Unterhaltung kurzweilig und unterhaltsam war. Ob der eine oder andere mit Spannung erwartet hat, dass seine Ehefrau im Hintergrund kurz einmal durchs Bld läuft, ihn unterbircht und fragt, wie lange er denn noch brauche, wäre eine Umfrage „im Chat“ wert gewesen. Aber was vor allem blieb, und das war mehr als nur ein Gespräch unter Freunden, war das Portrait eines Patrioten, eines wahren Mannes, der sich trotz seines Erfolges nicht hat verbiegen oder kaufen lassen, der immer geradeaus sagt was er denkt, der Lehrgeld bezahlte an Stellen im Leben wie vielleicht kein anderer, und der dennoch seinen Optimismus ausstrahlt und scharfen Sachverstand aufweist, der beiläufig einfließen lässt, wie tief er im Thema ist, und am Ende den ein besonderen Satz sagte, der eben kein politisches Statement ist, sondern die Berufung des eher unpolitischen Songwriters & Musikshowstars offenbarte:
– Es geht um unser Vaterland. –
Wer diesen Donnerhall nicht gehört hat, der ist politisch taub! Ein solcher Satz ist für einen Self-Made-Unternehmer, der als Musiker seine Platten wie andere Leute Autos verkaufte, normalerweise mind. geschäftshinderlich, politisch jedoch in der Nähe zur Partei mit den 3 Buschstaben, die nicht genannt werden dürfen, einzuordnen. Und gerade damit besetzt er ein politisches Spektrum, das nicht nur unbesetzt schien, sondern in Deutschland bis gestern hoffnungslos verloren. Wäre mir nicht noch im Ohr, dass der Trigema-Chef oder Papa Geißens diese Rolle spielen könnten, wie erfolgreich, das ließe sich schwer vorab einschätzen, passiert bei Dominik Kettner im Live-Event das Außergewöhnliche: Ich musste an dem Abend mehrfach an Anne Spiegel von den Grünen denken, die deswegen zurücktreten musste, weil sie im Urlaub aus dem Hotelzimmer heraus die Krisenkoordination für die Betroffenen im Ahrtal delegierte, und interessanterweise jäherte sich dieses Ereignis auch erst gerade zum 5x, und Dieter Bohlen sagte auf die Bilder und Statements der immer noch betroffenen angesprochen, die immer noch auf ihre Hilfe warten das, was diesen Mann so unverwechselbar macht:
– Das ist doch Scheiße! –
Das Geld sei da, ist bewilligt, und trotzdem wird den Menschen nicht geholfen. Die Kommunen und Landesregierung sollten sich schämen! Das ist unserem früher so erfolgreichen Land nicht würdig, (ich gebe hier nicht den Wortlaut 1×1 wieder, wenn etwas nicht so gesagt wurde, bitte ich um zeitnahe Info, dann werde ich hier die Korrektur veröffentlichen) und wer jetzt denkt, der Pop-Titan sei eitel und habe um eine Goldmünze bei Kettner im Shop der Edelmetalle gebeten, Herr Kettner selber wurde von seinen Kunden gedrängt, und der Herstellungsprozess in einem eigens dafür produzierten Video als zeithistorisches Dokument zusätzlich gewürdigt. Um es auf den Punkt zu bringen: Bessere Voraussetzungen für eine politische Karriere im 3. Lebensabschnitt kann es eigentlich gar nicht geben, und ob nun Eiffel oder Eiffelturm, Dieter Bohlen wäre nie um ein Statement verlegen, immer ansprechbar, immer nahbar und immer an Menschen, an ihren Schicksalen und Erfolgen interessiert, ob nun sein Spanisch dabei ebenso „sch…“ ist, wie die ausgebliebenen Erfolge der Fussball-Nationalmannschaft bei den letzten 3 WMs, und wir nun eifersüchtig nach Spanien aufs Finale schauen dürfen.
Ein Mann, der liebevoll seine Mutter erwähnt, die stolz auf das Erreichte ihres Sohnes blickt und Anteil nimmt, legt keinen zerstörerischen Ehrgeiz an den Tag, neigt nicht zu unüberlegten Entscheidungen und muss niemanden etwas beweisen. Als junger Mann mal kurz in zwei kommunistischen Parteien, dürfte er trotz Ablehnung der Reichenbesteuerung für die Linke ein Diskussionspartner sein, für die CDU bot er sich als Berater an, der SPD käme seine Kandidatur vermutlich spanisch vor, und doch wäre es ein interessantes Vorhaben, mit Dieter Bohlen einen wirklichen Gegenkandidaten zu Lars Klingbeil ins Rennen zu führen, der nach einer Bundestagswahl vom Parlament als Parteiloser ohne Mandat gewählt und bestätigt wird. Dass das möglich ist, daran muss man dieses Land erst wieder erinnern, aber bis zu den Neuwahlen ist ja noch ein bisschen Zeit. Sollte Dieter Bohlen für das Amt des Kanzlers nicht zur Verfügung stehen oder die Wahl verlieren, kann man nur noch auf die Gegenkandidatur von Karl Lauterbach hoffen.
Amen! [ – Mensch Leute, das ist doch Scheiße… – ]