{"id":385,"date":"2024-05-10T08:27:46","date_gmt":"2024-05-10T08:27:46","guid":{"rendered":"https:\/\/newrotic.de\/?p=385"},"modified":"2024-05-10T09:14:27","modified_gmt":"2024-05-10T09:14:27","slug":"soziale-fortschrittsklausel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/newrotic.de\/?p=385","title":{"rendered":"Soziale Fortschrittsklausel"},"content":{"rendered":"\n<p>Genauso k\u00f6nnte man ein &#8222;Gutes Abiturssdurchschnitts-Gesetz&#8220; verabschieden. Mir f\u00e4llt in letzter Zeit \u00f6fters auf Wahlplakaten auf, dass diese sich den ihnen zugedachten Satiren nicht nur ann\u00e4hern, sondern abbilden. Dazu z\u00e4hlt gerade das Plakat der Gr\u00fcnen zur Europawahl mit dem Slogan &#8222;Mach, was z\u00e4hlt!&#8220;, was urspr\u00fcnglich eine satirische Verk\u00fcrzung f\u00fcr die Bundeswehr war, aber auch die Linke hatte letztes Jahr ein Wahlplakat, &#8222;jedem B\u00fcrger soll es gut gehen&#8220;, was mich an die Berliner Kleene Punker-Partei erinnerte: &#8222;Jeda B\u00fcrger soll et dufte haben&#8220;. W\u00e4hrend man also Schuldenbremsen in parlamentarischen Gesetzen verankert, um wenigstens ein bisschen sicherzustellen, dass eine sp\u00e4tere Regierung nicht komplett den Staat in den Ruin verschuldet, m\u00f6chte man also eine Art &#8222;Soziale Fortschrittsklausel&#8220; haben, um jedem Menschen ein besseres Leben nicht nur zu erm\u00f6glichen, sondern sp\u00e4tere Regierungen an einem vielleicht sogar notwendigen Kahlschlag oder konsequenten K\u00fcrzungen an Sozialen Leistungen zu hindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist aus meiner Sicht ein gutes Beispiel f\u00fcr Politische Newrotic. W\u00e4hrend sich in Brandenburg ein paar Rechte treffen, um \u00fcber die R\u00fcckf\u00fchrung von Gefl\u00fcchteten zu diskutieren, wird der gesamte Bestand an integrierten und berufst\u00e4tigen Staatsb\u00fcrgern mit Migrationshintergrund als Verhandlungsmasse ins Feld gef\u00fchrt, ohne zu \u00fcberlegen, ob das, was der Identit\u00e4re und die 40 AfD-Politiker ohne hohe politische \u00c4mter und Verantwortung bei Pils und Currywurst bei Marschmusik erquatscht hatten, wirklich so eine gro\u00dfe Bedrohung f\u00fcr die Fernseh- und Medienredaktionen w\u00e4re. Jedenfalls sah man daraufhin &#8211; und das war tats\u00e4chlich niedlich anzuschauen &#8211; junge Schulm\u00e4dchen unterschiedlichem ethnischen Ansehens mit Handschellen aneinandergekettet zur Schule und zum Eisladen gehen. Vielleicht so etwas wie der Erweckungsmoment einer jungen Generation, f\u00fcr den man den AfD-Politikern auch mal &#8222;Danke&#8220; sagen kann, dass wenigstens die J\u00fcngsten unserer Gesellchaft begriffen haben, dass es ohne eigenes Engagement in einer Demokratie nicht geht. Und Facebook und Tiktok kein sichtbarer Protest sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Politische Newrotic kann LGBTQ-All-Genders-Toiletten sein, die au\u00dfer acht lassen, dass sich Menschen sch\u00e4men, wenn sie auf der Toilette sitzen, und nebenan sitzt ein Vertreter oder Vertreterin des anderes Geschlechts, oder man m\u00f6chte nicht mit allen Geschlechtskrankheiten konfrontiert werden, die diese gef\u00e4hrliche Welt so mit sich bringt, weshalb manch einer einfach die eigene Wohnung einer Rastst\u00e4tte vorzieht. Auch die obligatorische Umkleidekabine in jungen Jahren wurde in der Regel erst dann geentert, wenn nur noch die Gleichaltrigen nebenan waren, die man mochte und nicht ein v\u00f6llig fremder Bestand an Sch\u00fclerinnen oder Sch\u00fclern. Denn was sich liebt, das gendert (ob mit oder ohne &#8222;die Regel&#8220;) nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt f\u00e4llt mir gerade das Buch der jungen amerikanischen Autorin einer US-Eliteschule ein, die ihre Menstruation zum politischen Programm erhob, indem sie ein 500 Seiten-Werk schuf, wo es nur um Konsequenzen ging, die sich daraus ergaben, dass sie sich diesbez\u00fcglich den gleichaltrigen Studenten und Trainees einer Investmentbank oder Gro\u00dfkonzerns benachteiligt f\u00fchlte und zum ultimativem Gender-Pay-Gap ausholte, statt sich dar\u00fcber zu freuen, dass sie sp\u00e4ter wenigstens wei\u00df, dass das Kind, das sie auf die Welt bringt, von ihr ist und nicht, wie bei M\u00e4nnern, irgendwann im Laufe der Pubert\u00e4t bei dem Sohn die Zweifel beim Vater entstehen, ob das Kind, dass er gro\u00dfzieht, nicht doch von seinem besten Kumpel aus der Unizeit stammt, oder vom netten Arbeitskollegen, bevor seine Ehefrau in den Mutterschutz ging.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt mehr Eheburch zwischen Himmel und Erde, als den Autoren der Bibel lieb ist, und dass Ehebruch genau deswegen f\u00fcr M\u00e4nner wie f\u00fcr Abk\u00f6mmlinge sp\u00e4ter zur leidvollen (im wahrsten Sinne!) Nagelprobe (haha!) wird, was nur ein enges Band und mindestens ein-zwei weitere Geschwister ausgleichen k\u00f6nnen, so dass sich Mann und Frau nach einer zerkrachten Nacht und etlichen Testamentsumschreibeterminen wieder in die Augen sehen k\u00f6nnen und der Mann sich eingeseht, es ja trotzdem genaus lieb zu haben, und unter Tr\u00e4nen ein Gest\u00e4ndnis zum Moment werden kann, wo G&#8217;tt selbst in die Beziehung eintritt. Will man es vielleicht in einer anderen Perspektive sehen, dann darf man sich an etliche Patchwork-Familien erinnern, wo die Frau oder der Mann ein Kind &#8222;aus erster Ehe&#8220; mit hineinbrachten und dass nicht zum emotionalen Krisengebiet f\u00fcr die neue Beziehung werden darf. Solche Schilderungen habe ich schon aus meinem Bekanntenkreis geh\u00f6rt, wo die Erziehungsberechtigung untergraben wurde, weil ein Elternteil nicht nur am Kind besonders hing, sondern an der zu Bruch gegangen Beziehung und deswegen eine emotionale Aufnahme und Adaption ausblieb und sogar bewusst oder unbewusst verhindert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Sieht sozialer Fortschritt, und zwar im Materiellen Sinn, nun einen Fahrstuhl vor oder ein eigener PKW? Um ehrlich skeptisch zu sein, Karl Popper sah den Fortschritt moralisch, und man d\u00fcrfte sagen, es darf einen gesellschaftlichen Fortschritt ja durchaus geben, aber wer definiert den und sagt, was gew\u00fcnscht wird und was eher vermieden werden sollte? Bedeutet ein moralischer Fortschritt, ich darf mit meiner Nachbarin auch dann Geschlechtsverkehr haben, wenn sie in einer Beziehung ist, weil der Mann ihr ja nicht vorschreiben darf, dass sie gef\u00e4lligst treu zu sein hat und seine Wutanf\u00e4lle diesbez\u00fcglich in einer neuen Form der h\u00e4uslichen Gewalt enden, weil &#8222;es ihm nunmal nicht zusteht&#8220;. Auch hier habe ich 2008 die Erfahrung gemacht, dass unterschiedliche AUffassungen von Beziehungen auch auf einer Party zu Silvester dazu f\u00fchrte, dass die Freundin bei einer buddhistischen Sekte Asyl suchte, w\u00e4hrend ihr Freund als Katholik gerade innerlich den schon geplanten, aber noch nicht erfragten Hochzeitstermin aus seiner n\u00e4chstj\u00e4hrig skizzierten Biographie strich. In dem Moment war mir klar, dass ein Band zwischen Mann und Frau so kostbar ist, und wer es zerst\u00f6rt, sei es durch falsche Sichtweisen, sei es durch Verf\u00fchrung durch Zuhilfelnahme von Drogen, einem moralisch verkommenen Freundeskreis, politischer Programmatik oder einfach nur weil er dem Mitbewerber schaden will, zerst\u00f6rt ein kleines Himmelreich und schafft in beiden die H\u00f6lle auf Erden, aus denen sie kaum mehr alleine rauskommen und rausfinden k\u00f6nnen. W\u00e4re Treue nicht so ein hohes Gut, wir h\u00e4tten keine Firmen, keine Familien, keine Nationen und keine Geschichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade letzteres als Teil der Moral, eine gute Geschichte hat auch immer etwas mit moralischer Sinnsuche und Erfahrung zu tun, die wir selber nicht mehr machen wollen, weil wir sie ja schon im Kino oder zuhause auf DVD oder im Streaming-Portal gemacht haben. W\u00e4ren Erfahrungen nicht so wichtig f\u00fcr unser Leben, w\u00e4re das Aufschreiben von Romanen und Lesen, w\u00e4ren Theater, Filme, w\u00e4re westliche Kultur vollkommen unn\u00fctz und sinnlos und das Konsumieren und Rezipieren \u00fcberfl\u00fcssig. Das ist im Grunde auch das Problem von Pornographie, dass sie etwas suggieren soll, was nicht da ist, um einem Mann oder einem Paar ein paar Momente Liebe zu erm\u00f6glichen, wo diese Erfahrung selber nicht gemacht wurde oder werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fchere Liebesfilme hatten immer etwas unschuldiges. Die Sexszenen der 90er Jahre haben aus Stars auch Sexobjekte gemacht, wo man fr\u00fcher ins Kino ging, um nicht alleine zu Hause zu sein. Die These, dass man ins Kino geht, weil man alleine ist, wie man auch in einer Bar geht, weil man alleine zu Hause sitzt, ist nicht mehr so pr\u00e4sent. Man verabredet sich heute lieber vorher, \u00fcber facebook und Tinder, und geht dann in eine Bar. Man will nicht &#8222;von der Seite angequatscht&#8220; werden, und der moralische Fortschritt bedeutet in diesem Fall wiederum, dass Teilnahme am Leben mit &#8222;sozialen Netzwerken&#8220; und Experience verbunden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer demnach gar keine sozialen Kontakte hat, ben\u00f6tigt zumindest in einer Gro\u00dfstadt ein Auto, um nachts an illegalen Autorennen teilzunehmen. Daf\u00fcr braucht man dann die soziale Fortschrittsklausel, nicht wahr?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Genauso k\u00f6nnte man ein &#8222;Gutes Abiturssdurchschnitts-Gesetz&#8220; verabschieden. 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